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O p f e r
dicken
Buch:
( Mandalas der Welt
- Rüdiger Dahlke )
Nachdem man nun ein
paar Mandalas ausgemalt hat, kommt
es zu dem Punkt, an dem man aufgefordert wird, ein
Mandala zu opfern. Wenn man es nicht tut, ist es auch gut,
doch ich wollte es ja möglichst genau machen, Erfahrungen
sammeln. Also malte ich mein Mandala, um es anschließend
zu opfern.
Es
heißt auch nicht mal eben schnell, weil man es ja
verbrennen
wird, sondern ebenfalls mit viel Liebe und Verstand.
Nachdem
ich es fertig hatte, man stelle sich vor, dass das
Mandala ja in dem dicken Buch ist, und ich überlegte,
wie ich es anstellen könnte, um nicht das ganze Buch
in Brand zu stecken. Es sollte ja so gemacht
werden, dass nur das Mandala in dem Buch verbrannt wird,
so dass ein Loch entsteht. Durch dieses verkohlte Loch
kann man dann die West - Rose von Notre Dame im Buch,
un- oder ausgemalt, sehen.
Geraten wurde, dazu ein Räucherstäbchen zu verwenden.
Ich steckte eins an, hielt es mit starkem Herzklopfen in
die Mitte des Mandalas, damit es durchbrannt wurde.
Es sollte wohl so vor sich hin schwelen, bis alles schwarz
war, bei mir gab's ne Flamme, ich damit ins Bad, und
in die leere Badewanne, und bekam die Flamme auch aus.
Loch war nun zwar da, doch an einer Seite fehlt ein Stück.
Buch gerettet. Und ... ich hatte es getan, ich hatte mein
Mandala geopfert !
Nun
steht in dem Buch zu diesem Punkt weiter, dass einem
klar sein muss, dass es gar nicht möglich ist, die wahre
Essenz des Mandalas zu zerstören. Wir können sie lediglich
aus der materialisierten und damit erstarten Form befreien
und dorthin zurückgeben, woher sie kam.
Derselben Idee folgen die Navajo - Indianer, wenn sie ihre
Sandmandalas nach der rituellen Zeremonie wieder im Sande
verlaufen lassen. Die wahre Form hat sich nach ihrer
Vorstellung dann längst mit dem betreffenden Menschen,
Tier oder Gott vereinigt. Letztlich gibt es gar keine
Zerstörung. Ein Mandala kann eben so wenig sterben wie
ein Mensch - die Essenz wechselt lediglich die Ebene.
Weiter: Nun brauchen Sie nicht jedes Mandala physisch
zu zerstören - obwohl gerade das Zurückschicken eines
Mandalas in die Einheit ein schönes Ritual sein kann. Sie
tun einmal etwas wirklich wertfrei, für sich, ohne Hintergedanken.
Das Ego wird müde werden, diese Idee zu bekämpfen.
Andererseits kann es genauso schön sein, die fertigen Mandalas
zu erhalten und sich an ihnen zu erfreuen.
Und
das habe ich dann auch getan und tue ich auch weiterhin:
Mich an den Mandalas zu erfreuen.
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