Erinnerungen  aus  meinem  Leben



Mein Name ist Inge.
Mein Lieblingsstein ist der Rubin, überhaupt alles, was rot ist. So auch meine Lieblingsfarbe, und dementsprechend trage ich viel in rot.
Mein Planet ist der Mars, mein Baum, der Ahorn, und nach dem chinesischen Horoskop bin ich Hund, genauer "Holzhund".  :-)

Ich erblickte das Licht dieser Welt am 17.April 1934 in Danzig Langfuhr. Es müsste ein Dienstag gewesen sein. Bin ein Einzelkind geblieben.
Hatte jedoch zwei Cousinen, mit denen ich mehr oder weniger aufwuchs, denn wir wohnten, das heißt die Oma väterlicherseits, alle zusammen.
Nicht in einer Wohnung, sondern es waren mehr so zwei kleine Häuser,
die ziemlich ineinander gebaut waren. Standen unter Denkmalschutz, es war in der Frauengasse Nr.1, direkt an der Marienkirche. Für jeden aber ein abgeschlossener Bereich. Das heißt, da war schon eine Türe zu der Wohnung zur einen Tante, doch da ging man nicht einfach so rein und raus. Sondern nur, wenn ich durfte. So habe ich es in der Erinnerung. Ich bin früh zu dieser Oma gekommen, denn meine Mutter musste arbeiten, später im Krieg sowieso, mein Vater ist dann zur Marine gekommen. So wie meine Mutter aber konnte, kam sie täglich vorbei, um nach mir zu schauen.
 Oft ging ich auch  zu ihr nachhause und schlief hin und wieder auch bei ihr.
Meine Cousinen haben sich manchmal beschwert, dass sie immer tun mussten, wenn es um Inge ging. Sie fuhren mich in ihrem Puppenwagen spazieren, mussten mir von ihrem Spielzeug abgeben usw. usw.
 Als ich so zwischen 5 oder 6 war, kam ich zu einer Kiefernoperation ins Krankenhaus. Mit 9Jahren für längere Zeit, erkrankte an einer Rippenfell- und Lungenentzündung. Meine Mutter trug mich auf ihren Armen in eine Klinik. Wenn Oma verreiste, nahm sie mich mit. Eine ihrer Töchter,
mit der wir zusammenlebten (sie hatte unten eine Wohnung, wir oben)
und ihr Mann, hatten in Bromberg ein Lebensmittelgeschäft.
Dort waren wir einige Male.
Ich sehe es jetzt vor mir, wie ich öfter zu einem Holzschnitzer in seine Werkstatt ging, dort auf einem Stuhl gesessen habe, und ihm fasziniert beim Holzschuhe schnitzen zugeschaut habe. Es entstanden immer so Locken aus den Spänen, die gefielen mir, und es duftete immer so gut
nach frischem Holz. Vielleicht mag ich darum auch Holz so gerne.
Oft ging ich zu einer Wiese, saß dort ganz alleine, träumte vor mich
hin, flocht mir Kränze aus Blumen, setzte sie mir auf den Kopf
und hörte den Geräuschen und dem Summen der Bienen zu.

Als es dann so richtig im Krieg los ging, die Bomben fielen,
bin ich mit meiner Tante Fritzi (eigentlich Franziska) und deren 2 Söhne evakuiert worden. Ihre Tochter Helga und alle anderen blieben in Danzig.
Zurück in Danzig, wurde es dann ganz schlimm, die Sirenen heulten so oft, und wir liefen, um in den Luftschutzkeller zu kommen, denn irgendwann wurde die Türe geschlossen.
Eingeschult wurde ich mit 6 Jahren.



Doch wie lange wir Unterricht hatten, weiß ich nicht mehr.
 2 Bilder habe ich noch aus den ersten beiden Klassen.
So ungefähr einen Monat vor meinem 11.Geburtstag (1945) hatten wir dann das Glück mit einem Onkel auf einem Schlepper Danzig zu verlassen.
Es war die letzte Chance überhaupt. Bevor wir jedoch auf dem Schlepper
waren, mussten wir zu einem Boot, das uns dort hinbrachte.
Zwischendurch Fliegeralarm, wir rannten und rannten, dann erreichten wir das Boot. Auf diesem Boot unterwegs gab es Tieffliegerbeschuss.
Es ging mit dem Schlepper über die Ostsee. Unterwegs hörte ich mal,
wie die Maschinen gestoppt wurden, und es wurde etwas von
Minenfeldern gemurmelt.
Gott sei dank ist ein Schlepper ja wohl anders gebaut, als andere Schiffe, haben nicht solchen Tiefgang, und so kamen wir heil davon.
Oder warum auch immer. Vielleicht kann man es Schicksal nennen.
In Warnemünde ging es an Land, dann mit dem Zug weiter.
Alles überfüllt, grauenhaft, schließlich erreichten wir irgendwann Plauen
im Voigtland, wo eine Tante lebte. Auch eine Tochter meiner Oma.
Die Oma mütterlicherseits blieb in Danzig, kam aber mit
dem Leben davon.
Da sie nicht sehr weit von uns wohnte, besuchte ich sie oft,
als wir noch in Danzig waren, und sie buk mir immer Kartoffelpuffer,
weil ich die so gerne mochte.
An diese Großmutter kann ich mich nur an eine sehr gütige Frau erinnern.


 

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