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Maiglöckchen und Weihrauch

Aus dem Wort >>> "K
A P E L L E"
Ich wuchs ein paar Jahre bei der Großmutter väterlicherseits auf.
Getauft war
ich katholisch und das gleich nach meiner Geburt
in der Klinik.
Ich kann mich nicht erinnern, viel mit Eltern oder Großmütter,
Großväter in
einer Kirche am Gottesdienst teil genommen zu haben.
Neugierig wie ein Kind nun mal ist, ging ich einfach in die
Marienkirche, eine evangelische, und sah mir alles an.
Setzte mich in eine Bank und könnte auch sein, dass ich
am Gottesdienst
teilnahm.
Daran kann ich mich momentan bewusst nicht mehr erinnern.
Aber daran: Wir spielten als Kinder auch rundum
um diese Kirche und einmal, alleine, fand ich den Eingang
zu einer kleinen Kapelle. Ihr Name war sogar "Königliche Kapelle".
Und immer im
Mai, ja in diesem Wonnemonat Mai,
fand dort an jedem frühen Abend eine Maiandacht
(Marienandacht) statt.
Ich ging mit Herzklopfen in diese Kapelle rein, und es duftete nach
Maiglöckchen. Überall sah ich Sträußchen von Maiglöckchen.
Wusste nicht, was tun? Setzte mich schließlich auf eine Bank
und die Andacht begann. Von nun an ging ich so oft ich konnte
zur Maiandacht. Und ich behielt dieses kleine Geheimnis für mich.
Später
erzählte ich es. Denn auch heute schwärme ich noch
für Maiglöckchen. Und im Mai kommen Maiglöckchen
auf unseren großen Stubentisch.
Und der ganze Raum ist durchflutet von diesem sinnlichen Duft.
Aber auch noch etwas anderes, etwas Unaussprechliches
zog mich immer wieder dort hin. Heute würde ich es als "heilig"
betrachten. Auch
das Schwenken des Weihrauchkessels sehe
ich förmlich vor mir.
Sicherlich kommt daher auch meine Liebe zu Weihrauch.
Wenn ich ein Bad nehme, kommt das Weihrauchmännlein mit,
und aus dem Pfännchen steigen Wolken nach oben und zaubern
dabei interessante Muster. Ich liege dann im Wasser und genieße es.
Einmal, an einem Sonntag, gingen die Leute nach vorne zum Altar,
um das Abendmahl zu empfangen. Ich schloss mich ihnen an,
und erhielt es auch. Später, als ich älter war, plagte mich mein
Gewissen ob das
denn richtig war?
Denn erhält man nicht das Abendmahl erst bei der Kommunion
oder Konfirmation zum ersten Mal?
Als ich dann mit 13 Jahren (bedingt durch
Krieg und Flucht)
zur Erstkommunion ging, sprach ich mit einem Pfarrer darüber
und er sagte, das sei in Ordnung. Und ich fühlte mich besser.

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