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R o s e n d u f t

Ein paar Worte werden zu einer
Geschichte.
Ich nahm
das Wort "Vorsatz", suchte aus jedem Buchstaben
neue und schrieb
diese kleine Geschichte daraus:
Der Vollmond schien hell ins Zimmer.
Volker und sein Vater saßen sich gegenüber.
Im Kamin loderte ein Feuer.
Hin und wieder knisterte es und Funken sprühten.
Volker hatte die Beine hoch genommen, sich so richtig
tief in den Sessel gekuschelt.
Er wartete, das sein Vater zu reden anfing.
Doch der nippte an seinem Tee und knabberte an
einem Anisplätzchen.
Er selbst war etwas verkrampft, wartete darauf,
dass sein Vater anfing zu sprechen.
Schweißtropfen perlten auf seiner Stirn.
Ob sein Vater ihm erneut einen Vortrag halten und vorwerfen würde,
dass er doch nun langsam wissen müsste, welches Studium
das richtige für ihn war? Wenn er selbst es
bloß wüsste.
Der Alte (Kosename) goss noch mal Tee nach.
Für ihn war das Teetrinken zu einem Ritual geworden.
Doch er schwieg weiter. Nein, heute ließ er ihn wohl damit in Ruhe.
Er merkte, wie seine verkrampften Muskeln sich entspannten.
Nun griff er auch zu den Plätzchen.
Fischte sich einen Zimtstern heraus, zermalmte ihn genüsslich
zwischen seinen Zähnen, nahm die Teetasse mit beiden Händen hoch,
trank Schluck für Schluck und genoss auch ihn.
Seine Großmutter hatte die Plätzchen, wie in jedem Jahr, gebacken.
War ihr ein Vergnügen im Advent für die Familie zu backen
und sie damit zu verwöhnen.
Ja, und ganz plötzlich fing sein Vater an zu lachen,
Volker schreckte auf und sah ihn
an. Die Worte purzelten nur so aus ihm raus.
Vom Segeln, vom Meer, Wind und Wolken. Von anderen
Ländern, anderen Kulturen, anderen Menschen.
Und auch der Klabautermann fehlte nicht.
Urplötzlich meinte Volker Rosenduft in der Nase zu haben.
Ja, dachte er, Mutter liebte die Rosen. Leider lebt sie nicht mehr.
Und darum war sein Vater manchmal wohl
auch so verschlossen.
Aber wie merkwürdig ... das mit dem Rosenduft.
War er froh, dass sein Vater sich nun offenbar so wohl fühlte.
Ein zumindest kleiner Stein fiel ihm vom Herzen.
Es war sehr spät geworden, und Vater
fing an, das Geschirr abzuräumen.
Danach kam er erneut in die Stube, schaute nach dem Feuer,
das nun zu einer winzigen Glut geworden war,
die bald auch nur noch Asche sein würde.
Er wünschte ihm eine gute Nacht und umarmte ihn.
Volker ging in sein Zimmer.
Doch er wollte noch nicht ins Bett gehen.
Er hatte das Bedürfnis noch einige Seiten in sein Tagebuch zu schreiben.
Der Abend und das Erzählen seines Vaters, das gemeinsame Lachen,
hatte ihm so gut getan.
Sicherlich würde er heute Nacht schlafen wie ein Baby.

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