Das  größte  Übel  ist  die  Furcht

Eine javanische Legende


Alljährlich besuchte die Cholera die heilige Stadt Mekka
und forderte ihre Opfer.
Ihr Begleiter war der Tod. Vor ihnen her läuft die Furcht
und schleicht sich, vom Torwächter unbemerkt, in die Stadt.
Bald danach steht die Cholera mit dem Tod am Stadttor
und begehrt Einlass. Der Torwächter öffnet und spricht:
Kommst du auch dieses Jahr wieder zu uns
und befällst die Menschen?
Ja, auch in diesem Jahr, sagt die Cholera.
Aber ich verlange nicht mehr als sonst.
Wie viel Menschen forderst du? Fünfhundert wie immer.
Ich verspreche es dir.
Da wendet sich der Torwächter an ihren Begleiter den Tod
und fragt: Und wie viel wirst du uns holen?
Nicht mehr als meine Freundin, die Cholera mir gibt.
Du kannst es mir glauben.
Danach lässt der Torhüter die beiden in die Stadt,
wo  sie ihr grausiges Werk verrichten.
Nach einiger Zeit kommen sie wieder ans Tor und verlangen,
dass der Wächter sie hinauslasse.
Nun, wie viel Opfer sind dir in die Hände gefallen?
Ich habe mein Versprechen gehalten und nahm 490 Menschen mit, sagt die Cholera.
Er ist zufrieden und spricht zu ihrem Begleiter dem Tod:
Und wie viel nimmst du dir?
Mehr als 1000 Tote nehme ich mit, sagt der Tod.
Darüber erschrickt er sehr. Sag wie ist es möglich?
Die Cholera gab dir doch nur Vierhundertundneunzig?
Der Tod lächelte spöttisch:
Ja, sagt er, der Cholera fielen nur Vierhundertundneunzig
zum Opfer.  Aber du hast nicht bemerkt,
dass sich die Furcht in Eure Stadt einschlich.
Sie hat mehr Unheil angerichtet, als wir beide zusammen.

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        ANGST - es gibt mehr Opfer der Angst in der Welt,
als je eine Seuche an Menschenopfern für sich verlangte.
Bö Yin Ra



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