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MOND
und SONNE
In einer
oberpfälzischen Sage werden Mond und Sonne als Mann
und Frau beschrieben, die immer zugleich am Himmel stehen.
Der Sonne ist der eheliche Gefährte nicht feurig genug;
sie nimmt ihm seine mangelnde Leuchtkraft und Leidenschaft übel.
Schließlich schlägt sie ihm eine Übereinkunft vor:
Wer am nächsten Morgen als erster erwacht, soll fortan nur noch
bei Tage scheinen, dem Schläfrigen, Trägen aber die Nacht gehören.
Lachend stimmt der Mond diesem Abkommen zu, und mit demselben
lachenden Gesicht wacht er am nächsten Morgen als Zweiter auf.
Die Sonne hat den Sieg davongetragen und regiert von nun an den Tag,
der Mond taucht erst am Abendhimmel auf und erhellt sanft die Nacht.
Doch beide bedauern längst, dass sie nun getrennte Wege gehen müssen
und die eheliche Gemeinschaft zerstört ist.
Der Mond zieht bleich und traurig seine Bahn, der Sonne kommen
am Abend, wenn sie am Horizont untergeht, oft blutrote Tränen.
Immer wieder versuchen sie, den Weg zueinander zu finden, sich -
etwa um die Zeit des Neumonds oder bei Sonnenfinsternis - zu treffen.
Doch wenn sie sich am nächsten sind, fehlen ihnen die Worte
zur Verständigung.
Sie reden aneinander vorbei, bis ihre Bahnen sie wieder trennen.
Der Mond aber nimmt nach solchen Begegnungen jedes mal
vor Kummer ab bis zum Verschwinden, um sich nur langsam
wieder zu erholen.
( Gefunden in: Mondrhythmen in unserem Leben -
Ernst Sternberg - Verlag Honos )
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