Er gab mir einen guten Rat

Es war einmal ein Kaufmann, der hatte drei Töchter.
Als er eines Tages auf Reisen ging, fragte er sie, was er ihnen mitbringen solle. Die Älteste wünschte sich einen Unterrock, die Zweite Schmuck und die Jüngste nichts als ein paar Rosen, die gerade jetzt auf dem Markte wohlfeil wären. Der Kaufmann wickelte seine Geschäfte ab und besorgte die Geschenke für die Töchter. Auf dem Heimweg aber geriet er in einen
Hagelsturm, der ihm den Rosenstrauß zerschlug; schließlich fand er
Obdach in einem verlassenen Schloss. Dort standen Speisen auf dem Tisch, von denen er aß, und am Tor stand ein Rosenbusch, von dem er einen neuen Strauß für seine Tochter pflückte.
In diesem Moment erschien eine Schlange und verlangte von ihm,
dass er als Gegenwert für die Rosen seine jüngste Tochter zu
ihr herbrächte. Der verängstigte Kaufmann versprach es und erzählte
weinend zu Hause sein Unglück. Die jüngste, sehr verständnisvolle
Tochter begab sich daraufhin widerspruchslos zur Schlange, obgleich
die  älteren Schwestern sie verhöhnten und mit Schmähreden bedachten,
weil sie nicht die gleichen Wünsche nach Schmuck und Kleidung
gehabt hatte. Die Schlange nun setzte sich jedes mal, wenn das Mädchen
bei ihr am Tische aß, auf dessen Schoß und fragte: " Nimmst du mich
zum Manne, Liebste? " Aber das Mädchen antwortete immer: " Ich
habe Angst vor dir. " Eines Tages nun fand das Mädchen einen Spiegel,
in dem sich die ganze Welt spiegelte, und sie sah darin ihren Vater
krank vor Kummer über die Trennung von ihr zu Bett liegen. Sie bat
um einen Urlaub, und die Schlange gewährte ihr eine Frist von
einunddreißig Tagen. Bliebe sie nur einen Tag länger, so müsse
sie, die Schlange, sterben. Durch einen Ring, den das Mädchen in den
Mund nahm, wurde sie dann in das Haus ihres Vaters zurückversetzt,
der bei ihrem Erscheinen sofort wieder gesund wurde.
Als sie ihm von ihrem Leben bei der Schlange erzählte, riet ihr der
Vater, auf die Frage der Schlange doch einmal zu antworten, dass sie
sie zum Manne nehmen wolle. Trotz des gegenteiligen Rats der
Schwestern, sich der Schlange durch einen Verbleib im Vaterhaus
über die gegebene Frist hinaus zu entledigen, kehrte das Mädchen
pünktlich zurück. Die Schlange begrüßte sie freudig, und als sie das
Mädchen nun wieder fragte: " Willst du mich zum Manne, Liebste? "
antwortete das Mädchen mit Ja. Da warf die Schlange ihre Haut ab.
Ein junger, schöner Königssohn stand vor ihr, und der Palast
bevölkerte ich mit Dienern und Leuten. Der Prinz erzählte dem Mädchen,
dass er zur Strafe für die Verführung einer Waise in eine Schlange
verwandelt worden sei, bis sich ein Mädchen fände, das ihn heiratete.
Sie ließen nun den Vater und die Schwestern holen. Da aber die letzteren
ganz gelb vor Neid waren und voller Bosheit, verwandelte sie der Prinz,
der gelernt hatte, Gut und Böse zu unterscheiden, in zwei Krähen.
Die Gestalt sollten sie behalten, bis sie sich von ihren bösen Wünschen
gereinigt hätten. Der Prinz und sein Mädchen aber feierten Hochzeit
und machten den Vater zum Minister.


( Dieses Märchen gibt es in mehreren Variationen -
hier ist es in der griechischen Inselmärchen - Fassung   erzählt. )


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