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DER
ZAUBERSPIEGEL

Eine alte Sage erzählt von einem
Zauberspiegel, der die Bilder der Menschen
wiedergab, so wie sie wirklich waren.
Nicht wie sie selbst,
ihre Freunde
oder Feinde sie sich dachten.
Von allen Enden der Welt
pilgerten die Menschen
zu diesem Zauberspiegel.
Nun kam auch einmal
ein
Pilger von außerordentlicher Bescheidenheit, stets geneigt, sich
selbst
zu unterschätzen.
Er war sehr erstaunt,
in diesem Spiegel
eine Seite von sich zu erkennen,
von der er bis jetzt nichts geahnt hatte.
Hier in dem Zauberspiegel sah er deutlich innerhalb der Umrisse seiner
eigenen Gestalt die eines anderen Wesens. Es war so stark, voll Selbstvertrauen,
ein strahlendes Bild der Männlichkeit, ohne irgendeinen der Fehler und
Minderwertigkeiten, die er sich immer selbst zugeschrieben hatte.
Je länger er dieses Bild betrachtete, um so deutlicher trat es hervor,
bis ihm endlich klar wurde, dass dies sein anderes, sein höheres Selbst sein
müsse, das Wesen, das zu sein ihn der Schöpfer geschaffen hatte.
Das Bild in dem Zauberspiegel machte einen so großen Eindruck auf den
Pilger, dass er von nun an unablässig bemüht war, sich nach ihm zu richten
und zu verändern. Und mit der Zeit wurde das Bild des vollkommenen
Menschen, das ihm beständig vor Augen stand, zur Wirklichkeit und
trat an die Stelle des schüchternen, zurück haltenden sich selbst
unterschätzenden Menschen, der er seither gewesen war. Nur wenige
Jahre später war mit seiner ganzen Erscheinung, seinem geistigen Zustand,
seinem ganzen Wesen eine vollständige Veränderung vorgegangen.
Er war wirklich der größere Mensch geworden, den ihm
der
Zauberspiegel entschleiert hatte; und nicht nur das, er war auch in
seinem Beruf weitergekommen, hatte größeren Erfolg gehabt, als er je
sich hätte träumen lassen. Und er sagte, er fange jetzt erst an, die
Möglichkeiten, die in ihm lägen, zu verwirklichen. Es ist ganz außerordentlich
schwierig, den Menschen Glauben an ihre eigene Größe,
Vertrauen in die in ihnen ruhenden Fähigkeiten nahe zu bringen.
Wir sind gehemmt durch den alten Gedanken der menschlichen
Minderwertigkeit. Aber es ist nichts Minderwertiges an dem Menschen,
den Gott geschaffen hat.
Die einzige Minderwertigkeit in uns haben wir selbst hineingelegt.
Was Gott geschaffen hat, ist vollkommen.
Der Fehler ist der, dass die meisten von uns nur das Zerrbild dessen
sind,
was sie nach Gottes Plan sein sollten.
Das kommt von dem mangelnden Glauben an uns selbst, und weil
wir unsere göttlichen Möglichkeiten nicht kennen.
Aller Misserfolg, alle Minderwertigkeit ist die Folge davon, dass wir
von unserem wahren Selbst und unserer Verwandtschaft mit Gott
nichts wissen.
Der Mensch ist dazu bestimmt, Sieger zu sein und nicht Sklave.
Er soll sich seines Geburtsrechtes göttlicher Kraft bedienen
und zur
Höhe seiner Möglichkeiten aufsteigen, nicht darunter
hinabsinken, wie es
so viele von uns tun.
So wie wir uns sehen, so werden wir auch sein. Wir sollten das
minderwertige Bild gegen das austauschen, das wir sein könnten und möchten.
Unser geistiges Musterbild kann unser Selbst erhöhen und dann danach
streben, diesem Bild gleich zu werden.
Im Zauberspiegel der eigenen Seele erkennen wir, wie wir nach
Gottes Absicht sein sollten.
Nicht das kleine, enge, schwache Wesen, sondern der herrliche Mensch,
den Gott in seinen Gedanken hatte,
als er uns schuf.
Denke, sprich, handle und lebe, wie dieser Mensch es tun sollte.
Dann werden wir im Einklang mit dem Schöpfer sein und nicht gegen ihn.
Dann werden wir die Erfüllung seines Planes sein und nicht diesen
durchkreuzen; dann bist du ein Erfolg und kein Fehlschlag.
Orsison Swett
Marden
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